17.07.2015 - Zugegebenermaßen ist, die rechtliche Situation am Ring sehr kompliziert. Die Landesregierung wird nicht müde, zu betonen, der Ring sei verkauft und man habe damit nichts mehr zu tun. Dem ist nicht ganz so.




Um die rechtliche Situation zu verdeutlichen, muss man sich die Ausgangs-Situation ansehen
Im März 2014 erhielt die Bietergemeinschaft capricorn
Wild/Getspeed den Zuschlag für den Kauf des Nürburgrings. 2/3 der Anteile hielt Wild, 1/3 Getspeed. Man gründete die CNBG (capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft mbH). Im vergangenen Sommer und Herbst sah sich Wild außerstande, die fällige 2. und 3. Kaufpreisrate zu zahlen. Zugleich kam ans Tageslicht, dass die Finanzierung niemals werthaltig war, weil es sich um ein "unverbindliches Diskussionspapier" der Deutschen Bank gehandelt hat, welches man dem Gläubigerausschuß und später auch der EU-Kommission vorlegte. Insolvenzsachwalter Lieser und Sanierungsgeschäftsführer Schmidt fädelten einen Deal ein, bei welchem die Wild-Anteile einem Treuhänder übertragen wurden und das Konsortium um Viktor Kharitonin (NR Holding) Käufer des Anteilepakets sein sollte. Dieser Treuhänder, die W Special Situations GmbH in Frankfurt verwaltet treuhänderisch die Forderungen der Gläubiger (Hauptgläubiger ist das Land!), d.h. der Wild-Anteile bis zu vollständigen Kaufpreiszahlung.  

Da die NR Holding aufgrund der rechtlich unsicheren Situation bisher nur einen kleinen Teil des Kaufpreises gezahlt hat, ist die Landesregierung über den Treuhänder faktisch immer noch Haupteigentümer des Rings, auch wenn sie dies wortreich bestreitet. Im Dezember ´14 berichtete Motor-Kritik, dass die NR Holding versuchte, den 1/3 Eigentumsanteil der capricorn NÜRBURGRING GmbH (CNG) von Getspeed zu übernehmen, was aber nicht gelang. Daraufhin hat die NR-Holding eine Kapitalerhöhung vorgenommen, wodurch der Getspeed-Anteil von 33,33 Prozent auf 20 Prozent schrumpfte.

Zusätzlich ging der Vermögen der Nürburgring GmbH in Liquidation om Februar gem. EU-Beschluss vom 1.10.14 zu 95.1% auf die CNG und 4.9% an den Treuhänder mit Sperrminorität über. Gesellschafter der CNG ist die capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft (CNGB). Gesellschafter der CNBG sind wiederum die NR Holding und Getspeed.

Die NR-Holding und Getspeed betreiben mit der CNG als Pächter gemeinschaftlich seit 2015 den Nürburgring,die CNG ist damit Besitzer aber kein Eigentümer. So mancher hat sich schon in den Besitz- bzw. Eigentumsverhältnissen verstiegen, nennen den Besitzer (CNG), meinen aber den Teil-Eigentümer, die NR Holding. Und die ist, wie bereits oben ausgeführt nur zu einem geringen Teil Eigentümer des Rings, weil der Treuhänder - nach wie vor - das Sagen hat.

Das bedeutet auch, dass von der seitens der EU-Kommission ehemals per Beschluss akzeptierten Käufergemeinschaft Wild/Getspeed nur noch eine leere Firmenhülle übrig ist, da die Gesellschafter ausgetauscht wurden. Nach Klärung der jurististischen Hindernisse könnte deshalb ein völlig anderer Käufer (NR Holding) Eigentümer des Rings werden.

Aber es ist durchaus möglich, dass der Verkaufsprozeß durch erfolgreiche Klagen von "Ja zum Nürburgring" und NeXovation rückabgewickelt wird. Neben der Tatsache, daß der Verkaufprozeß weder transparent noch diskrimierungsfrei war, sah sich Wild sich außerstande, die vereinbarte Kaufpreisrate zu zahlen. Weiter wird bemängelt, dass der Gläubigerausschuß mit einer nicht werthaltigen Finanzierung des Bieterduos capricorn getäuscht wurde. Auch hatte Wild Eigentum und Kunstsammlungen mehrfach verpfändet, weshalb die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelte. Die EU Kommission soll zu wesentlichen Details des Verkaufs falsch informiert worden sein bzw. es wurden wichtige Fakten durch den Insolvenzsachwalter Lieser verschwiegen. Das sind die Hauptgründe, weshalb „Ja zum Nürburgring“ Klage beim Europäischen Gericht erhoben hat.
NeXovation klagt wegen Intransparenz, Diskriminierung von Bietern sowie Nichtberücksichtigung des Gebots im Bieterverfahren.

Bemerkenswert ist auch, dass die W Special Situations GmbH in Frankfurt zufälligerweise die gleichen Büros nutzt wie die beratenden Anwälte von Insolvenzsachwalter Lieser und Sanierungsgeschäftsführer Schmidt. Es handelt sich um die Kanzlei Weil, Gotshal & Manges. Laut Handelsregister gehört die o.g. Treuhandfirma zu 100 Prozent der Special Opportunities Services GmbH aus München, deren Gesellschafter wiederum führende Köpfe bei der obigen Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges sind. Ein Schelm, der böses denkt.

Der Nürburgring braucht nach den Veranstaltungsausfällen von "Rock am Ring2 und der Formel 1 mehr denn je Stabilität  und eine gesicherte Zukunft.  Das recht undurchsichtige Konsortium rund um Viktor Kharitonin wird jedoch vermutlich weder weiter investieren noch weitere Teile des Kaufpreises zahlen, solange rechtliche Unsicherheit herrscht, d.h. die Klagen von Nexovation und „Ja zum Nürburgring“ beim Europäischen Gericht anhängig und nicht endgültig entschieden sind.

Mehr Info: Motor-Kritik
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